Freitag, 19. Oktober 2018

Kommunales Wirtschaftsgespräch mit der IHK "good place to work" 

Wirtschaftsstarke Diemelstadt „good place to work“
Bürgermeister Schröder: “Dramatik des Fachkräftemangels wird unterschätzt!“

„Die sinkenden Geburtenraten und der demografische Wandel führen zu einem enormen Fachkräftemangel, der einen regelrechten „war of talents“ auslöst. 62% der Unternehmen sehen die größte Gefahr für ihr Unternehmen im fehlenden Angebot an Fachkräften. Das wundert nicht, denn 1964 wurden mit 1,4 Mio. Geburten doppelt so viele Menschen geboren, wie im Jahr 2015. Dazu kommt die Bildungsabwanderung aus der Region, denn immer mehr junge Leute wollen nicht in einer klassischen Ausbildung in das Berufsleben starten, sondern über ein Studium. Es ist höchste Zeit neue Wege zu beschreiten und die Realität nicht länger zu verdrängen, wenn wir in Diemelstadt auf Dauer noch so einen attraktiven Wirtschaftstandort erhalten wollen.“, startete Bürgermeister Elmar Schröder provokativ in das kommunale Wirtschaftsgespräch der IHK auf Schloss Rhoden. Der Fürstensaal war bis zum letzten Platz mit Vertretern der heimischen Wirtschaft gefüllt und neben einer offenen Diskussion wurden verschiedene Projekte und Strategien zur Deckung des Fachkräftebedarfs vorgestellt. Natürlich müssen alle heimischen Nachwuchskräfte motiviert werden in der Region zu bleiben. Bei der Findung von Praktika- und Ausbildungsplätzen, aber auch bei der Suche von Fachkräften für ein Unternehmen, kann das Karrierenetzwerk „Network“ behilflich sein. Seit 2015 hat es sich „Network“ zur Aufgabe gemacht, den Karrierestandort Waldeck-Frankenberg für junge Leute zur ersten Wahl zu machen. Auf der Plattform können sich die Unternehmen präsentieren und Anzeigen schalten. Ein Hauptaugenmerk lag beim Wirtschaftsforum allerdings auch auf Fachkräften mit ausländischer Herkunft.  Um diesem Prozess entgegenzuwirken, präsentierte Herr Strube von der Wirtschaftsförderung der Region Kassel die Möglichkeit des Anwerbens von Fachkräften auf einer Auswanderermesse in den Niederlanden. Der Landkreis Kassel sei seit 2013 auf der Messe vertreten und konnte bereits einige Holländer zum Umzug in den Landkreis Kassel motivieren. Ein großer Anreiz sind die geringeren Lebenshaltungskosten in Deutschland sowie die Nähe zu den Niederlanden, aber nicht zuletzt finden viele der Aus-wanderer einfach Gefallen an der Sanierung eines alten Fachwerkhauses. Den Holländern wird die Möglichkeit geboten, den Landkreis mit seiner Landschaft und seinen Arbeitsmöglichkeiten an einem Schnupperwochenende kennenzulernen. Die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg hatte bereits vor Jahren in Spanien um Fachkräfte geworben und auch die Pappenverarbeitungsgesellschaft Prima Welle in Rhoden versucht derzeit in Spanien Arbeitskräfte zu gewinnen. Dr. Sacher von der IHK Kassel stellte die verschiedenen Instrumente der IHK vor und  betonte, dass bei der Suche von Arbeitskräften Praktika einen hohen Stellenwert haben, da sie vielen jungen Leuten bei der Findung eines passenden Ausbildungsplatzes helfen. Bürgermeister Elmar Schröder erklärte, dass es die Vision der Diemelstadt sei, dass Unter¬nehmen und Stadt an einem Strang ziehen und bot den Dialog mit den Unternehmern an, um die Diemelstadt zu einem „good place to work“ zu machen. „Es wird Arbeitnehmern, die von außen zu uns kommen, nicht nur um die Arbeit, sondern auch um Wohnraum, Kinderbetreuung und andere weiche Standortfaktoren gehen, damit sie sich hier ansiedeln. Das bedarf deutlich mehr Aufwand als nur eine Stellenanzeige.“, stellt Schröder abschließen fest.

Bild:
v.l. Jannick Göbel (Network), IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender Wolfram Klawe, Dr. Peter Sacher (Leiter IHK-ServiceZentrum), Bürgermeister Elmar Schröder, Christian Strube (Projektleiter Wirt-schaftsförderung Region Kassel) und Steffen Öhl (Network)