Montag, 11. Dezember 2017

Diemelstadt wird 2018 flächendeckend Breitband bekommen

Als „Diemelstädter Daten Dilemma“ bezeichnete Bürgermeister Elmar Schröder in der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes die Lage hinsichtlich der bisherigen Breitbandversorgung. Doch nun läuft der Breitbandausbau Nordhessen flächendeckend an und davon kann insbesondere die Diemelstadt im Jahr 2018 profitieren, verkündet der Rathauschef, der seit einiger Zeit in der Arbeitsgruppe „Breitbandausbau Waldeck-Frankenberg“ beim Landrat mitarbeitet.

Die bisher unbefriedigende Situation, insbesondere in den kleineren Ortsteilen der Diemelstadt, resultiert aus verschiedenen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. Zunächst einmal hatten sich Bürger und Verantwortliche in den 80er Jahren gegen Kabelfernsehen ausgesprochen, so dass Diemelstadt als Insel ohne passive Infrastruktur im Boden von UNITYMEDIA-versorgten Kommunen umgeben ist. Dazu kommt die Privatisierung der TELEKOM, die rendite- und profitorientiert in den Mittelzentren aktiv ausbaut und Unterzentren und Dörfer als unrentabel liegen lässt. Diese Situation gepaart mit der Lage als Halbinsel von NRW umgeben mit drei Ortsteilvorwahlen machen das Dilemma komplett. Um nun der boomenden Wirtschaft schnelles Internet zukommen zu lassen, ist es einigen Unternehmen mit Hilfe der NETCOM Kassel, die auch zukünftig für das Breitbandnetz Nordhessen zuständig ist, über einen Richtfunkmast in Warburg und auf dem Quast in Rhoden gelungen eine Gigabit-Verbindung in die Gewerbegebiete der Diemelstadt aufzubauen. Diese Breitbandinitiative Diemelstadt hatte die Zielsetzung, auch für die Bevölkerung über die Anbindung der Kabelverzweigerkästen (KVZ) der TELEKOM eine Zwischenlösung zu bieten. Leider stehen im Stadtgebiet insgesamt 25 solcher KVZ und um eine Internetanbindung der NETCOM zu ermöglichen, muss neben jedem KVZ ein neues Multifunktionsgehäuse (MFG) mit aktiven Komponenten für die Verteilung auf die sogenannte „letzte Meile“ errichtet werden.

Aktuell konnte Wolfgang Baraniak (Breitbandkoordinator des Landkreises) den Diemelstädter Stadtverordneten hoffnungsfroh verkünden, dass die große nordhessische Breitbandinitiative der 5 Landkreise Fahrt aufgenommen habe. Das Mammutprojekt mit einem Volumen von ca. 140 Mio.€ habe nach komplexen europaweiten Ausschreibungen nun mit dem Generalnehmen Weigand (jahrzehntelanger Erfahrung im Tiefbau und Breitbandausbau) und dem Netzbetreiber NETCOM (Tochter der Kasseler Stadtwerke) solide Partner.

Von Kasseler Backbone aus werden drei Backbone-Ringe (Nordring 250 km, Ostring 450 km, Westring 240 km) in die 5 Landkreise verlegt. Insgesamt würden 2000 km Glasfaserkabel verlegt sowie 64 Hauptverteiler und 1327 Multifunktionsgehäuse (MFG) aufgebaut. Diemelstadt liegt am Nordring, der von Wolfhagen über Vöhl und Waldeck nach Diemelsee führe und dann die Diemelstädter Ortsteile erreiche. Diemelstadt habe mit 25 KVZ alleine 10% des gesamten Landkreises an Komponenten, die mit einem MFG ausgestattet werden müssen. Diemelsee will man noch in 2017 erreichen und Diemelstadt würde 2018 das Glasfaserkabel bekommen, welches von Massenhausen durch das Orpethal nach Wrexen und über Rhoden zurück nach Ammenhausen Richtung Volkmarsen verlaufe. Helmighausen, Hesperinghausen und Wethen erhalten jeweils eine abgehende Glasfaserverbindung vom Hauptring. Bürgermeister Schröder konnte aus dem Arbeitskreis berichten, dass seine Kollegen aus Vöhl und Waldeck mit dem Baufortschritt der Firma Weigand sehr zufrieden seien, die über Spülbohrverfahren, mit Rohrpflug oder Fräse sowie Saugbagger über modernste und leistungsstarke Bautrupps verfügt. Weil auch die Termintreue in der großen Ausschreibung vertraglich zugesichert wurde, ist nun nach dem langen Warten in einem absehbaren Zeitraum „Licht am Datenhorizont nach dem Dilemma“ erkennbar, scherzte der Rathauschef abschließend.